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Der Streit um eine dubiose Auftragsvergabe während der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft spitzt sich weiter zu. Die Bürgerdemokraten zeigten sich am Donnerstag bereit, in einer Sondersitzung der Koalitionsspitzen über die Situation von Verteidigungsminister Vondra zu beraten. Der Termin der Sitzung sei abhängig vom Programm des Premiers, sagte ODS-Chef Tluchoř. Nečas befindet sich zurzeit auf dem EU-Gipfel in Brüssel. Auf der Sitzung des Abgeordnetenhauses hatte zuvor der Fraktionschef der Koalitionspartei Top 09 Petr Gazdík den Rücktritt seines bürgerdemokratischen Kabinettskollegen Vondra (ODS) gefordert. Vondra, der damals Europaminister in der Regierung Topolánek war, hat inzwischen eine Mitverantwortung an der überteuerten und untransparenten Auftragsvergabe an die Firma Promopro eingeräumt. Zu den Rücktrittforderungen hat er sich noch nicht geäußert. Finanzminister Kalousek bezeichnete Vondras Rede als arrogant und forderte ebenso den Rücktritt. Während einer Unterbrechung der Sitzung hatte die Top 09-Fraktion jedoch beschlossen, die Koalition zu stützen. Ein Antrag auf eine Sondersitzung durch die Sozialdemokraten erhielt keine Mehrheit. Am Abend ließ Premier Nečas aus Brüssel mitteilen, es sei nicht an Kalousek, Regierungsmitglieder zum Rücktritt aufzurufen.

Vondra wird vorgeworfen einen Auftrag für Audioausstattung ohne Ausschreibung an die Firma Promopro vergeben zu haben. Nach Angaben des Finanzministeriums habe Promopro umgerechnet knapp 22 Millionen Euro kassiert, könne aber für zehn Millionen keinen Nachweis über deren Verbleib erbringen.