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Der zweite Versuch der Opposition, wegen der Affäre ProMoPro eine außerordentliche Parlamentssitzung einzuberufen, wird vermutlich von Erfolg gekrönt. Die Bemühungen der Opposition werden nämlich von der Regierungspartei TOP 09 unterstützt. Die Abgeordneten von TOP 09 wollen nach Aussage von Fraktionschef Petr Gazdík zur nächsten Sitzung nicht erscheinen, was den Linken die Chance gäbe, ihre Vorschläge zur Tagesordnung durchzusetzen. Der erste Versuch der Opposition war an der geschlossenen Mehrheit der Regierungsparteien gescheitert.

In die Affäre ProMoPro ist der frühere EU-Minister und heutige Verteidigungsminister Alexandr Vondra verstrickt. Dem ODS-Politiker wird vorgeworfen, vor zwei Jahren einen Auftrag für Audioausstattung zur Ratspräsidentschaft ohne Ausschreibung an die Firma Promopro vergeben zu haben. Nach Angaben des Finanzministeriums habe ProMoPro umgerechnet knapp 22 Millionen Euro kassiert, könne aber für 10 Millionen keinen Nachweis über deren Verbleib erbringen. Für die unglückliche Rolle, die er in dieser Angelegenheit gespielt habe, sollte sich Vondra vor anderthalb Wochen vor den Abgeordneten entschuldigen. Diese Chance aber habe Vondra nicht genutzt, weshalb die Situation in der Koalition jetzt auch belastet sei, sagte Außenminister und TOP 09-Chef Karel Schwarzenberg am Samstag in einem Zeitungsinterview.

Die jetzige Reaktion des Koalitionspartners bezeichnete ODS-Fraktionschef Petr Tluchoř am Sonntag als klaren Bruch des Koalitionsvertrages. Man müsse sich doch fragen, ob TOP 09 in dieser Angelegenheit mit den Sozialdemokraten nicht gemeinsame Sache mache, wetterte Tluchoř.