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Zu dem schrecklichen Blutbad in Norwegen meldeten sich am Montag in Tschechien die großen Tageszeitungen mit zum Teil sehr nachdenklichen Kommentaren zu Wort. So schreibt die liberal-konservative Zeitung „Lidové noviny“, dass „Norwegen nur die Spitze eines Eisbergs sei im heutigen Europa, in dem ein bestimmter Teil der Gesellschaft frustriert sei von dem Gefühl, bei den Entscheidungen der Eliten nicht mitreden zu können und mit dem Argument der politischen Korrektheit aus der Debatte verdrängt zu werden. Damit sei nicht gesagt, dass dieser Teil der Gesellschaft mit der Demokratie abgerechnet hat oder gar zum Terror neigt. Es sei hier nur angemerkt, dass sich eine Schere öffnet, wie das Schicksal von Thilo Sarrazin und seines Buchs ´Deutschland schafft sich ab´ belegt. Die Eliten verurteilen es, ohne es gelesen zu haben, aber das Buch wird allein in Deutschland von 1,5 Millionen Leuten gekauft – eine Art Abstimmung mit der Brieftasche. Die Tat von Anders Breivik wird in der ganzen Welt verurteilt. Aber wir sollten wissen, dass er nicht vom Himmel fiel.“

Die Wirtschaftszeitung „Hospodářské noviny“ schreibt: „Nach dem fürchterlichen Terroranschlag hat Europa die Illusion aufgeben müssen, dass es sich nur gegen einen äußeren Feind wehren muss. (...) Das bedeutet zweierlei: Die Sicherheitskräfte werden die tatsächlichen Gefahren neu und besser analysieren müssen. Kein blauäugiger blonder Mann darf sich in Zukunft wundern, wenn auch er bei der Sicherheitskontrolle auf dem Flughafen die Schuhe ausziehen muss. Die Debatte über das ´Ethnic Profiling´, um potenzielle Terroristen ausfindig zu machen, ist am Ende. Zum anderen sollten die Parteien mehr über die Unzufriedenheit der Bürger mit ihren europäischen und multikulturellen Projekten nachdenken.“