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Im Alter von 72 Jahren ist am Freitag in Deutschland der tschechische Schriftsteller und Diplomat Jiří Gruša gestorben. Der ehemalige Dissident und Freund von Ex-Präsident Václav Havel lebte zuletzt in der Nähe von Bonn. Nach Angaben des tschechischen PEN-Klubs ist Gruša ist im Laufe einer Herzoperation gestorben.

Jiří Gruša stammte aus Pardubice. Sein politisches Engagement führte ihn zur Unterzeichnung der Charta 77. 1981 wurde er ausgebürgert und lebte danach im Exil in Deutschland. Nach der Wende von 1989 war er tschechischer Botschafter in Deutschland und in Österreich. Ein halbes Jahr war er tschechischer Bildungsminister. Gruša war auch Leiter der Diplomatischen Akademie in Wien und Präsident des Internationalen PEN-Klubs. Neben seiner literarischen und diplomatischen Arbeit war er auch ein hervorragender Übersetzer. Er übersetzte ins Tschechische unter anderem Rainer Maria Rilke und Franz Kafka.

Ex-Präsident Václav Havel schrieb auf seiner Webseite, er sei durch den plötzlichen Tod seines langjährigen Freundes schockiert. Er denke an Gruša als an einen seiner nahe stehenden Menschen, die er sehr geachtet habe, so Havel.

"Für das tschechische Zentrum des internationalen PEN-Klubs ist das ein harter Schlag und eine große Trauer. Wir hatten ihn wirklich sehr gern", sagte der Chef des tschechischen PEN-Klubs Jiří Dědeček im Zusammenhang mit Grušas Tod.

Jiří Šitler vom tschechischen Außenministerium erklärte gegenüber der Presseagentur dpa, Jiří Gruša habe sich um die deutsch-tschechischen Beziehungen sehr verdient gemacht. Gruša habe vor allem beim bilateralen Nachbarschaftsabkommen von 1992 eine wichtige Rolle gespielt, so Šitler.