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Die EU-Staaten können entgegen einem erst vor zehn Tagen gefassten Beschluss den Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht wie geplant mit 200 Milliarden Euro stärken. Großbritannien hält zumindest vorläufig seinen Beitrag von etwa 25 Milliarden Euro zurück. Vier Nicht-Euro-Länder, darunter Tschechien, wollten sich jedoch an den Zahlungen an den IWF beteiligen. Dies geht aus einer Erklärung hervor, die der Vorsitzende der 17 Staaten mit Eurowährung, Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker, am Montag in Luxemburg nach einer Telefonkonferenz der EU-Finanzminister veröffentlichte.

In Tschechien aber hat man den Aussagen aus Brüssel inzwischen widersprochen. Man könne nicht behaupten, dass die Tschechische Republik zu den Ländern gehöre, die sich an den Zahlungen für den IWF beteiligen werden, sagte der Sprecher des Finanzministeriums, Ondřej Jakob, auf Anfrage der Nachrichtenagentur ČTK. Und der stellvertretende Ressortchef, Vize-Finanzminister Tomáš Zídek, erklärte, dass diesbezüglich noch gar nichts entschieden sei. Die Regierung in Prag habe sich weder einen konkreten Termin gesetzt noch habe sie über mögliche finanzielle Zuwendungen an den IWF entschieden, betonte Zídek im Tschechischen Fernsehen (ČT).

Zum gleichen Thema äußerte sich auch der Gouverneur der Tschechischen Nationalbank (ČNB), Miroslav Singer. Eine Beteiligung Tschechiens an den Leihgeldern für den IWF wäre eine beispiellose Konzentration der Finanzreserven der Tschechischen Nationalbank in einer anderen Institution, erklärte Singer. Daher müsse man sich die Abgabe der eigenen Devisenreserven an den IWF sorgfältig überlegen, bekräftigte Singer erneut seine schon früher getätigte Aussage.

Wie Finanzminister Miroslav Kalousek am Dienstag informierte, sei die für Tschechien vorgesehene Summe von 3,5 Milliarden Euro ohnehin nicht mehr aktuell. Über die tschechische Beteiligung am Hilfspaket für den IWF müsse weiter verhandelt werden, so Kalousek.