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Zwei Wochen vor der außerordentlichen Sitzung des Abgeordnetenhauses in Prag sprechen sich die Sozialdemokraten (ČSSD) schon nicht mehr kategorisch gegen das noch zu komplettierende Kabinett Rusnok aus. Es gelte weiterhin der Beschluss, dass die Partei keine Regierung unterstützen werde, die ohne Wahlen in diese Rolle schlüpfen will. Aber die Situation würde sich weiterentwickeln, sagte am Montag ČSSD-Fraktionschef Jeroným Tejc vielsagend. Wenn die Opposition – was zu erwarten sei – in zwei Wochen bei der Abstimmung über die Auflösung des Abgeordnetenhauses nicht die erforderliche Drei-Fünftel-Mehrheit zusammenbekommt, dann entstehe eine völlig neue Situation, die die Sozialdemokraten zu lösen hätten, ergänzte Tejc. Und käme beim Vertrauensvotum über die Regierung von Premier Jiří Rusnok auch keine Mehrheit zustande, dann könnte eine solche Lösung sein, dass die Sozialdemokraten den zweiten Versuch einer Regierungsbildung selbst übernehmen, hieß es aus Parteikreisen.

Dies entspricht allerdings nicht ganz der Meinung von Parteichef Bohuslav Sobotka. Er hat kurz vor seinem Urlaubsantritt noch einmal bekräftigt, dass alle Sozialdemokraten, die dem Kabinett Rusnok beigetreten sind, aus der Partei austreten sollten. Partei-Vizechef Michal Hašek erwiderte jedoch in der offenen innerparteilichen Debatte, dass aus der Sicht des Staates jetzt das Bemühen um eine Auflösung des Abgeordnetenhauses eindeutigen Vorrang vor der Frage der Parteimitgliedschaft einiger Sozialdemokraten haben müsse. Deshalb empfehle er den (bisher) drei sozialdemokratischen Vertretern im Kabinett Rusnok, dass sie ihre Mitgliedschaft während der möglichen Regierungszeit ruhen lassen sollten. Damit es klar sei, dass sie als Experten und nicht als ČSSD-Mitglieder im Kabinett Rusnok fungieren werden, so Hašek.