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Am Mittwoch hatte der neue Premier Jiří Rusnok vor, im tschechischen Abgeordnetenhaus um das Vertrauen für sein Kabinett zu bitten. Die Debatte zur Vertrauensabstimmung hat um zehn Uhr begonnen. Nicht einmal nach einer Stunden langen Debatte kam es zur Stellung der Vertrauensfrage. Die Abgeordneten stritten in ihren Reden vor allem über die Legitimität von Rusnoks Regierung. Sie verglichen sie mit dem vorhergehenden Kabinett von Petr Nečas. Der Vizechef der Sozialdemokraten (ČSSD) Lubomír Zaorálek kritisierte die Debatte darüber, ob mehr Schande der Tschechischen Republik Präsident Zeman oder Vertreter der ehemaligen Regierungskoalition machen. Zaorálek forderte die Parlamentsparteien auf, ein Übereinkommen über vorgezogene Neuwahlen zu schließen. Der bürgerdemokratische Abgeordnete und Ex-Verkehrsminister Zbyněk Stanjura erinnerte daran, dass die Regierung von Premier Rusnok kaum unpolitisch ist. Denn fünf Minister der Regierung waren oder sind dem Bürgerdemokraten zufolge Mitglieder der ČSSD, zwei Minister waren Mitglieder der ODS.

Der Ausgang der Abstimmung ist ungewiss. Die konservativen ehemaligen Regierungsparteien ODS und Top 09 wollen das vor einem Monat angetretene Übergangskabinett geschlossen ablehnen. Ihre Unterstützung für Rusnok angekündigt haben die Kommunisten (KSČM) und die Partei der öffentlichen Angelegenheiten (VV) sowie weite Teilen der Sozialdemokratie (ČSSD).

Der tschechischen Verfassung nach ernennt der Staatspräsident zunächst eine Regierung, diese muss dann innerhalb von 30 Tagen um das Vertrauen im Abgeordnetenhaus bitten. Sollte der 52-jährige Rusnok scheitern, dann kann der linksgerichtete Staatspräsident Miloš Zeman den Regierungsauftrag ein zweites Mal vergeben. Rusnok folgte auf Petr Nečas, der nach einer Bespitzelungsaffäre zurücktrat.