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Der erste Vizevorsitzende der Bürgerdemokraten (ODS), Martin Kuba, steht seit dem Rücktritt von Parteichef Petr Nečas kommissarisch an der Spitze der konservativen Partei und hat seinen Führungsanspruch am Montag unterstrichen. Kuba stellte öffentlich in Frage, dass seine Parteikollegin, die Abgeordnetenhauschefin Miroslava Němcová, den Anspruch habe, anstatt seiner die ODS zu führen. Auf dem Wahlparteitag der Bürgerdemokraten vor neun Monaten habe schließlich er die meisten Stimmen bei der Wahl zum ersten Vizechef erhalten und nicht Němcová, so Kuba.

Der ODS-Interimschef reagierte damit auf eine Darstellung von Němcová in der Samstagausgabe der Tageszeitung „Mladá fronta Dnes“. Dem Blatt gegenüber hatte sie geäußert, dass sie die Partei in die sich abzeichnenden Neuwahlen führen wolle, und zwar als Spitzenkandidatin und als Vorsitzende der Partei. Bei der jüngst im Abgeordnetenhaus für die Regierung Rusnok gescheiterten Vertrauensabstimmung stand Němcová an der Spitze des liberal-konservativen Lagers, musste aber miterleben, wie auch dieses Bündnis laut Auszählung die absolute Mehrheit verfehlte. Für die sehr wahrscheinlichen Neuwahlen rechnet sie sich dennoch die größten Chancen aus, als Spitzenkandidatin für die ODS nominiert zu werden.

An der Basis regt sich allerdings Widerstand gegen die Spitzenpolitiker der Partei. Der Tenor ist der, dass man in den regionalen Verbänden der Partei nicht einverstanden damit ist, wenn die ODS-Spitzenkandidaten für die Wahlen von der Zentralleitung der Partei aufgestellt würden. Nach dem Desaster um die Regierung Nečas befindet sich die ODS Umfragen zufolge nämlich am absoluten Tiefpunkt, was die Popularität der Partei unter den Wählern anbelangt.