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Der scheidende tschechische Premier Jiří Rusnok hat sich für seine „unglücklichen Äußerungen“ in Bezug auf das Begräbnis Nelson Mandelas entschuldigt. „Es war nicht richtig, sich so im Zusammenhang mit dem Tod von Südafrikas Ex-Präsidenten zu äußern, das tut mir leid. Für diese Worte entschuldige ich mich“, schrieb Rusnok am Samstag in einer sms an die Presseagentur ČTK. Er sei überarbeitet, das Andenken Nelson Mandelas aber wolle er gebührend würdigen, ergänzte der Regierungschef.

Bei der Sitzung des Abgeordnetenhauses am Freitag hatte Rusnok gegenüber dem scheidenden Verteidigungsminister Vlastimil Picek seinen Unwillen darüber geäußert, die Tschechische Republik womöglich beim offiziellen Staatsbegräbnis für Mandela als Gast repräsentieren zu müssen. Rusnok begründete dies mit einem vollen Terminkalender und den zusätzlichen Reisestrapazen aufgrund des langen Flugs. Während des Dialogs hatte er jedoch nicht bemerkt, dass die Mikrofone des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders ČT 24 auch während der Tagungspause im Parlament geöffnet waren.

Das Arbeitsprogramm eines Premiers auch bei unerwarteten Ereignissen weiter in Einklang zu bringen, sei eine „Zauberei mit der Zeit“; erst recht im Dezember, wenn die Arbeitszeit wegen der Feiertage quasi um eine Woche kürzer sei, erklärte Rusnok zu seiner Verteidigung. Für seine unbedarften Äußerungen erntete Rusnok indes scharfe Kritik von der internationalen Presse.

Beim offiziellen Staatstrauerakt für den Kämpfer gegen die Apartheid und ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas am Dienstag in Johannesburg wird Tschechien durch Außenminister Jan Kohout vertreten. Das gab die Sprecherin des Ressorts, Johana Grohová, am Sonntag bekannt.

Die Partei Top 09 ist der größte Verteidiger der parlamentarischen Demokratie vor den Attacken von Präsident Miloš Zeman und dem Chef der Ano-Partei, Andrej Babiš. Dies war eine der Kernaussagen von Parteichef Karel Schwarzenberg in seiner Eröffnungsrede auf dem Top-09-Parteitag am Samstag in Prag. Als Beleg für seine Aussage zog der frühere Außenminister die bislang nicht geglückte Wahl des vierten Stellvertreters von Abgeordnetenhauschef Jan Hamáček zu Rate. Die Tatsache, dass der Kandidat seiner Partei bereits in zwei Wahlgängen nicht das Vertrauen erhielt, zeuge davon, dass die entstehende Koalition der Sozialdemokraten (ČSSD), der Ano-Partei und der Christdemokraten (KDU-ČSL) offenbar Angst vor seiner Partei habe. Er, so Schwarzenberg, habe wiederum die Befürchtung, dass die voraussichtlichen Koalitionäre autoritär regieren und die demokratischen Prinzipien ignorieren könnten. Babiš habe immerhin davon gesprochen, dass er das Parlament als eine überflüssige Institution ansehe. Und der ehemalige Sozialdemokrat, Präsident Zeman, habe ebenso zu verstehen gegeben, dass er das Abgeordnetenhaus nicht unnötig beachten, sondern seinen eigenen Weg gehen werde, unterstrich Schwarzenberg.

Auf dem zweitägigen Parteitag stellt sich Schwarzenberg für das Amt des Parteivorsitzenden erneut zur Wahl. Die Vizechefin der ODS, Miroslava Němcová, bot in ihrer Gastrede an, dass beide konservativen Parteien ihre Kräfte für die Senats- und Kommunalwahlen im Jahr 2014 bündeln sollten.