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Das Ministerium für Regionalentwicklung in Prag hat die Europäische Kommission um einen Aufschub gebeten bezüglich der Antwort auf den Audit-Abschlussbericht der Kommission zum Interessenskonflikt von Premier Andrej Babiš (Ano-Partei). Es hat beantragt, die Frist um zwei Monate bis Anfang Juni zu verlängern. Das Anliegen wurde mit der gegenwärtigen Krisenlage wegen der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus begründet. Gegenüber dem Internetportal des Tschechischen Rundfunks (irozhlas.cz) versicherte der Sprecher des Ministeriums zugleich, dass trotz der Corona-Krise weiter an dem Antwortschreiben für Brüssel gearbeitet werde.

Die Europäische Kommission hat der ständigen Vertretung der Tschechischen Republik bei der EU den Abschlussbericht Anfang Februar übergeben. In diesem werden die Subventionen aus den europäischen Strukturfonds für den tschechischen Agrofert-Konzern überprüft, der Babiš gehörte. Aufgrund seiner politischen Ambitionen trat der amtierende Regierungschef seine Firma vor drei Jahren an einen Treuhandfonds ab. In dem Auditbericht kommen die Verfasser jedoch zu dem Schluss, dass Babiš einen direkten und indirekten Einfluss auf den Treuhandfonds habe, von dem der Konzern profitiere. Gleichzeitig beeinflusste das Interesse an Agroferts wirtschaftlichem Erfolg nach Angaben der Wirtschaftsprüfer die Unparteilichkeit der Entscheidungen von Babiš. Dem Premier wird somit vorgeworfen, in einem Interessenskonflikt zu stehen. Deshalb müsse Tschechien Subventionsgelder in Millionenhöhe an Brüssel zurückzahlen, hieß es. Babiš bestreitet den Interessenskonflikt weiter hartnäckig.